Zwischen zwei alten Häusern steht eine Lücke, kaum breiter als eine Garageneinfahrt. Jahrelang parkte dort ein Anhänger, im Sommer wuchs Unkraut über den Bordstein. Heute steht an derselben Stelle ein schmales, hohes Haus mit großen Fenstern — und die ganze Gasse wirkt plötzlich bewohnter.
Solche Häuser sehen wir in den Ortskernen der Ortenau immer häufiger. Sie sind kein Trend aus der Großstadt, sondern eine sehr alte Bauform, die gerade wiederentdeckt wird.
Eine alte Idee mit neuem Grundriss
Die historischen Altstädte der Region sind genau so entstanden: schmale Parzellen, Haus an Haus, die Giebel zur Straße. Wer durch die Altstadt von Gengenbach oder die Gassen von Haslach geht, sieht Häuser, die selten breiter als acht Meter sind und trotzdem seit Jahrhunderten Familien beherbergen.
Neu ist der Grundriss. Wo früher kleine Kammern hintereinander lagen, ordnen heutige Lückenhäuser die Räume nach dem Licht:
- Unten Eingang, Abstellraum und oft eine offene Küche zum Hof
- In der Mitte der Wohnraum, häufig mit dem größten Fenster des Hauses
- Oben die Schlafräume, darüber manchmal eine kleine Dachterrasse
Das Haus wächst in die Höhe statt in die Fläche. Wer die Treppe nicht scheut, bekommt dafür auf jeder Ebene einen klar abgegrenzten Bereich.
Licht kommt von vorn, von hinten und von oben
Die größte Frage bei einem Haus zwischen zwei Nachbarn ist das Licht. Seitenfenster gibt es meist keine, also müssen Vorder- und Rückseite die Arbeit übernehmen.
Was in der Praxis gut funktioniert
- Große Fensterflächen an beiden Schmalseiten, idealerweise raumhoch
- Offene Treppen statt geschlossener Treppenhäuser, damit Licht nach unten fällt
- Ein Lichtschacht oder Oberlicht über der Treppe, das den Kern des Hauses erhellt
- Helle Wände und Böden, die das Tageslicht weitertragen
Bei Besichtigungen erleben wir oft, dass ein schmales Haus heller wirkt als ein breites Einfamilienhaus am Ortsrand — einfach weil jeder Raum mindestens eine große Fensterfläche hat.
Mittendrin statt draußen
Der eigentliche Wert eines solchen Hauses liegt vor der Tür. Bäcker, Apotheke, Wochenmarkt und Bushaltestelle sind zu Fuß erreichbar. Für viele Käufer ist das wichtiger geworden als ein großer Garten.
In Gesprächen hören wir dabei zwei Gruppen besonders oft:
- Paare, deren Kinder ausgezogen sind, und die das große Haus gegen kurze Wege tauschen möchten
- Junge Menschen aus der Region, die im Ort bleiben wollen, in dem sie aufgewachsen sind
Beide schätzen dasselbe: dass man am Abend noch zu Fuß zum Essen gehen kann und am Samstag nicht ins Auto steigen muss, um Brötchen zu holen. In Städten wie Offenburg oder Lahr mit ihren lebendigen Innenstädten ist das ein starkes Argument.
Was ein schmales Haus vom Alltag verlangt
Ehrlich gesagt passt ein Lückenhaus nicht zu jedem. Drei oder vier Geschosse bedeuten viele Treppenstufen am Tag. Wer Einkäufe nach oben trägt oder an Barrierefreiheit denkt, sollte das bei der Planung früh mitdenken.
Ein paar Punkte, auf die wir bei Besichtigungen achten:
- Wo stehen Fahrräder, Kinderwagen und Mülltonnen? Ohne Hof oder Durchgang wird das schnell zur Frage.
- Wie ist der Schallschutz zu den Nachbarn? Gemeinsame Wände sind bei neueren Häusern meist gut gedämmt, bei Altbauten lohnt ein genauer Blick.
- Gibt es einen Freisitz? Ein kleiner Hof, ein Balkon oder eine Dachterrasse macht viel aus.
Wer diese Fragen für sich beantwortet hat, bekommt im Gegenzug ein Haus mit Charakter an einem Ort, der lebt.
Warum die Ortskerne davon profitieren
Jede geschlossene Lücke macht eine Straße ein Stück lebendiger. Ein bewohntes Haus bringt Licht in die Fenster, Menschen auf den Gehweg und Kundschaft in die Läden. Gerade kleinere Städte im Kinzigtal wie Haslach oder Wolfach leben davon, dass ihre historischen Kerne bewohnt bleiben — nicht nur besucht.
Für Eigentümer, die eine solche Fläche oder ein schmales Altstadthaus besitzen, ist das eine gute Nachricht: Die Nachfrage nach zentralen Lagen mit kurzen Wegen ist in der Ortenau spürbar.
Wenn Sie wissen möchten, was ein Haus mitten im Ort heute wert ist, hilft unsere Wertermittlung als erster Anhaltspunkt. Für alles Weitere sprechen wir gern persönlich mit Ihnen — am liebsten bei einem Rundgang durch die Gasse, um die es geht.