Der Innenhof — der Raum, der allen gehört

Gemeinschaftsflächen in Wohnanlagen werden neu entdeckt: als Hof, Garten und Treffpunkt. Warum der Blick nach draußen bei einer Besichtigung oft mehr verrät als der Grundriss.

Der Innenhof — der Raum, der allen gehört

An einem Abend Ende August standen wir nach einer Besichtigung noch im Hof einer Wohnanlage in Offenburg. Zwei Kinder auf dem Rasenstück, ein älteres Ehepaar auf der Bank an der Mauer, jemand goss die Tomaten im Hochbeet. Der Interessent sagte auf dem Rückweg zum Auto einen Satz, den wir uns gemerkt haben: „Die Wohnung war okay. Der Hof hat mich überzeugt."

Warum die Gemeinschaftsfläche zurückkommt

Lange galt der Innenhof als Restfläche — das, was übrig blieb, wenn die Gebäude standen. Rasen, Wäschestangen, ein Fahrradständer. In neueren Projekten dreht sich das um: Die Wohnungseingänge werden bewusst zum Hof hin orientiert, damit Begegnung im Alltag überhaupt stattfinden kann.

Dahinter steckt keine Ideologie, sondern eine schlichte Beobachtung. Wer täglich an denselben drei Menschen vorbeikommt, kennt sie irgendwann. Wer über die Tiefgarage kommt und im Aufzug verschwindet, kennt nach fünf Jahren niemanden.

Was einen Hof funktionieren lässt

Der letzte Punkt wird am häufigsten vergessen. Eine Erdgeschosswohnung direkt an der Spielfläche verkauft sich spürbar schwerer als dieselbe Wohnung zwei Meter weiter hinten, hinter einer Hecke.

Was in der Region entsteht

In den größeren Orten der Ortenau ist die Entwicklung gut zu sehen. In Lahr und Kehl entstehen Wohnanlagen, deren Außenanlagen von Anfang an mitgeplant werden — mit Versickerungsflächen, artenreicher Bepflanzung statt Rasenmonokultur und Bereichen, die den Sommer aushalten.

Das ist kein Schmuck. Ein Hof mit fünf ausgewachsenen Bäumen ist an einem Augusttag messbar kühler als eine gepflasterte Fläche derselben Größe. Wer in den letzten Sommern in einer Erdgeschosswohnung gesessen hat, weiß, was das bedeutet.

Der Unterschied zwischen Bestand und Neubau

Im Bestand ist der Hof oft schon da — nur nicht gestaltet. Genau darin liegt die Chance. Die häufigsten Verbesserungen, die wir bei Eigentümergemeinschaften sehen, sind erstaunlich unspektakulär:

  1. Eine Bank, die tatsächlich in der Sonne des späten Nachmittags steht
  2. Ein Hochbeet, um das sich zwei Parteien kümmern
  3. Beleuchtung, die den Weg zeigt, ohne in die Fenster zu leuchten
  4. Fahrradstellplätze überdacht statt im Weg
  5. Eine Ecke, die bewusst ungenutzt bleibt — für Insekten, für Wildwuchs, für Ruhe

Was wir bei Besichtigungen darauf geben

Wir gehen mit Interessenten grundsätzlich einmal durch die Außenanlagen, auch wenn es regnet und auch wenn niemand danach fragt. Der Zustand des Hofes erzählt mehr über eine Eigentümergemeinschaft als jedes Protokoll: ob gepflegt wird, ob investiert wird, ob man sich einig ist.

Und es erzählt etwas über den Alltag, der einen erwartet. Wer nur die Wohnung sieht, kauft die Wohnung. Wer den Hof gesehen hat, weiß, wo er die nächsten zehn Sommer verbringt.

Der Blick über die Stadt hinaus

Auch in kleineren Gemeinden funktioniert das Prinzip, nur anders. In Gengenbach ist es der gemeinsame Hof hinter der Fachwerkzeile, in Dörfern am Schwarzwaldrand oft die Wiese zwischen zwei Häusern, die nie eingezäunt wurde. Die Fläche ist kleiner, die Selbstverständlichkeit größer.

Was beides eint: Es sind Räume ohne klaren Besitzer, die trotzdem gepflegt werden. Das ist eine Form von Nachbarschaft, die sich nicht organisieren lässt — sie entsteht, wenn die Architektur sie zulässt.

Ein Gedanke zum Schluss

Wenn Sie eine Wohnung in einer Anlage besichtigen, nehmen Sie sich fünf Minuten für draußen. Setzen Sie sich auf die Bank, wenn es eine gibt. Schauen Sie, wer vorbeikommt und ob gegrüßt wird.

Es ist der Teil einer Immobilie, der in keinem Exposé wirklich abzubilden ist — und wir sagen das als Leute, die viel Mühe in Exposés stecken. Manche Dinge muss man einfach gesehen haben. Kommen Sie gern mit uns hin.