Bei einer Besichtigung in einem Zweifamilienhaus nördlich von Lahr blieb die Interessentin nicht vor dem Schlafzimmer stehen, sondern vor der Tür daneben. Vier Quadratmeter, ein Fenster nach Osten, ursprünglich als Bügelzimmer gedacht. „Da kommt die Ankleide rein", sagte sie — und meinte es ernst. Diese Szene erleben wir häufiger. Der Kleiderschrank verlässt das Schlafzimmer.
Warum die Ankleide gerade jetzt Thema wird
Es ist keine Frage von Luxus, sondern von Ordnung im Kopf. Wer den Kleiderschrank aus dem Schlafzimmer nimmt, nimmt gleichzeitig die offenen Türen, die halbvollen Wäschekörbe und den Blick auf zwanzig Bügel heraus. Was bleibt, ist ein Raum, der wirklich nur zum Schlafen da ist.
Die Möbelbranche bestätigt den Trend: Die Zahl der Möbelstücke pro Raum sinkt, die Anforderung an das einzelne Stück steigt. Statt drei Schränken lieber eine durchdachte Lösung, die jeden Zentimeter nutzt — auch unter Dachschrägen, in Nischen, unter der Treppe.
Was eine Ankleide wirklich braucht
- Mindestens 4 bis 5 Quadratmeter — darunter wird es ein begehbarer Schrank, kein Raum
- 1,20 Meter freie Gangbreite, wenn beidseitig gehängt wird
- Licht, das die Farben nicht verfälscht — warmweiß mit hoher Farbwiedergabe
- Ein Spiegel in ganzer Länge, möglichst nicht gegenüber dem Fenster
- Luftaustausch — Textilien mögen keine stehende Luft
Der Blick auf den Grundriss
Interessant wird es, wenn man den Bestand betrachtet statt den Neubau. In den Altbauten der Ortenau finden wir regelmäßig Räume, die niemand mehr braucht: das ehemalige Kinderzimmer, die Kammer neben dem Bad, der überzählige Flurabschnitt. Gerade in den Fachwerkhäusern rund um Gengenbach und Haslach gibt es diese Zwischenräume häufig — schmal, ungünstig geschnitten, für ein Schlafzimmer zu klein, für eine Ankleide perfekt.
Die häufigste Umbaumaßnahme ist dabei erstaunlich klein: eine Tür versetzen. Wer das Schlafzimmer und die angrenzende Kammer über einen gemeinsamen Zugang verbindet, hat eine Suite, ohne eine Wand anzufassen.
Drei Varianten, die funktionieren
- Der eigene Raum — abgeschlossen, mit Tür, ideal bei vorhandenem Nebenzimmer
- Die offene Zone — durch ein Regal oder eine halbhohe Wand vom Schlafbereich abgetrennt
- Die Schrankwand hinter der Schlafwand — Bett mittig im Raum, dahinter eine raumhohe Trennwand mit Stauraum auf der Rückseite
Variante drei sehen wir zunehmend in Neubauwohnungen. Sie kostet ungefähr eineinhalb Meter Raumtiefe und liefert dafür Stauraum über die volle Zimmerbreite.
Was Käufer daraus lesen
Wir beschreiben in unseren Exposés keine Ankleide, wo keine ist — aber wir weisen darauf hin, wenn ein Grundriss eine hergibt. Das ist ein Unterschied. Ein Raum von vier Quadratmetern ohne Funktion wirkt auf dem Plan wie ein Rest. Derselbe Raum, benannt und erklärt, wirkt wie ein Angebot.
Bei der Wertermittlung spielt eine Ankleide selten eine eigene Rolle — sie zählt zur Wohnfläche wie jeder andere Raum. Ihr Wert liegt woanders: in der Geschwindigkeit, mit der sich eine Wohnung vermarkten lässt, weil ein Interessent sich sofort etwas darunter vorstellen kann.
Die Materialfrage
Was 2026 auffällt: Die Ankleide wird ruhiger. Glänzende Fronten und verspiegelte Schiebetüren treten zurück, an ihre Stelle kommen matte Oberflächen, Holz mit sichtbarer Maserung, Leinenvorhänge statt Türen. Getöntes Glas taucht auf, wo etwas sichtbar bleiben soll, ohne offen zu stehen.
Die Farbwelt folgt dem, was ohnehin im ganzen Haus passiert: Sand, Moosgrün, warmes Grau, Terrakotta. Das ist angenehm für einen Raum, den man morgens im Halbdunkel betritt.
Wann es sich nicht lohnt
Ehrlich gesagt: oft. Eine Ankleide, die dem Schlafzimmer die Hälfte seiner Fläche wegnimmt, ist ein schlechtes Geschäft. Ebenso eine, die den einzigen Zugang zum Balkon blockiert oder das zweite Fenster verstellt. Und wer ohnehin wenig Kleidung besitzt, gewinnt mit einem gut geplanten Einbauschrank mehr als mit einem eigenen Zimmer.
Die Frage ist nicht, ob eine Ankleide schön wäre. Die Frage ist, welcher Raum dafür bezahlt.
Unser Blick darauf
Wenn wir ein Objekt aufnehmen, gehen wir jeden Grundriss einmal mit dieser Brille durch: Wo steckt Potenzial, das der Eigentümer selbst nicht mehr sieht, weil er seit zwanzig Jahren daran vorbeiläuft? Manchmal ist es die Ankleide, manchmal der Arbeitsplatz im Erker, manchmal nur eine Tür an der falschen Stelle.
Wer wissen möchte, was in seinem Haus steckt, bekommt diesen Blick von uns bei jedem Ersttermin dazu — ohne Verpflichtung und ohne Verkaufsabsicht.