Im Exposé steht sie meist am Ende, in einem Nebensatz: „Doppelgarage vorhanden." Bei der Besichtigung wird sie zuletzt gezeigt, oft mit einem entschuldigenden Kommentar über das Chaos darin. Und dann passiert regelmäßig etwas, das uns immer noch amüsiert: Die Interessenten bleiben länger stehen als im Wohnzimmer.
Die Garage ist der Raum, über den niemand spricht und den alle wollen.
Warum sie wichtiger geworden ist
Vor zwanzig Jahren war eine Garage ein Ort für ein Auto. Heute ist sie das selten allein.
Da stehen zwei bis vier Fahrräder, oft E-Bikes mit entsprechendem Wert. Da liegen Winterreifen, Gartengeräte, die Werkbank, Kisten mit Dingen, für die im Keller kein Platz mehr war. Da hängt vielleicht eine Wallbox. Bei manchen steht dort ein halbes Hobby — Holzwerkstatt, Motorrad, Anhänger.
Diese Vielfachnutzung stellt Ansprüche, die eine Garage von 1985 nicht kannte: Sie braucht Strom, Licht, Platz an den Wänden und eine Tür, durch die man auch ohne Auto bequem hineinkommt.
Woran gute von schlechten Garagen sich unterscheiden
Wenn wir ein Objekt bewerten, schauen wir bei der Garage auf Punkte, die im Exposé nie auftauchen:
- Gibt es eine Nebentür? Eine Garage, die man nur über das große Tor betritt, ist im Alltag mühsam. Für Fahrräder und Gartengeräte ist eine seitliche Tür fast unverzichtbar.
- Wie viele Steckdosen gibt es — und wo? Eine einzelne Dose neben dem Tor reicht heute nicht mehr. Wer eine Werkbank oder Ladetechnik unterbringen will, braucht mehr.
- Ist der Boden in Ordnung? Rissiger Estrich mit Ölflecken zieht den Eindruck des ganzen Objekts nach unten, obwohl die Sanierung überschaubar wäre.
- Wie ist der Zuschnitt? Eine Doppelgarage, in der man die Autotüren nicht öffnen kann, ist rechnerisch eine Doppelgarage und praktisch keine.
Das Thema Wallbox
Die Frage kommt inzwischen bei fast jeder Besichtigung: Lässt sich hier eine Ladestation für ein Elektroauto einrichten?
Wir raten Eigentümern, diese Frage vor der Vermarktung zu klären — nicht die Wallbox zu installieren, sondern schlicht zu wissen, ob und wie es ginge. Liegt ein ausreichend dimensioniertes Kabel zur Garage? Wie weit ist es zum Zählerschrank? Gibt es Platz für die nötige Absicherung?
Wer diese Auskunft geben kann, wirkt vorbereitet. Wer sie schuldig bleibt, hinterlässt eine offene Frage — und offene Fragen kosten in Verhandlungen Geld.
Regionale Unterschiede, die wir beobachten
In den gewachsenen Ortskernen — etwa in Ettenheim oder Kippenheim — sind Garagen oft knapp und manchmal gar nicht vorhanden. Die Häuser stammen aus einer Zeit vor dem Zweitwagen, die Straßen sind eng, Stellplätze rar. Dort ist eine eigene Garage ein echtes Alleinstellungsmerkmal.
In den jüngeren Wohngebieten, etwa rund um Achern, gehören zwei Stellplätze zum Standard. Dort punktet nicht das Vorhandensein, sondern die Qualität: gedämmtes Tor, ordentliche Elektrik, nutzbare Nebenflächen.
Dieselbe Garage ist also je nach Ortslage ein Verkaufsargument oder eine Selbstverständlichkeit. Das wirkt sich auf die Preisstrategie aus — und genau solche Feinheiten lassen sich nur mit Ortskenntnis richtig einordnen.
Der einfachste Rat vor jeder Besichtigung
Räumen Sie die Garage auf. Wirklich auf.
Es klingt banal, aber es ist die günstigste Maßnahme mit der größten Wirkung, die wir kennen. Eine leergeräumte, gefegte, gut ausgeleuchtete Garage wirkt größer, moderner und gepflegter — und der Interessent sieht den Raum, nicht Ihre Kisten.
Wir haben Objekte erlebt, bei denen allein das Aufräumen von Garage und Keller die Rückmeldungen nach Besichtigungen spürbar verändert hat. Nicht weil sich am Haus etwas geändert hätte, sondern weil sich der Eindruck von Ordnung auf das ganze Objekt überträgt.
Nicht mitverkaufen, was Ihnen lieb ist
Ein praktischer Hinweis zum Schluss: Was fest verbaut ist, gehört im Zweifel zur Immobilie. Die eingebaute Werkbank, die Regalwand, die Wallbox. Wenn Sie etwas davon behalten möchten, klären Sie das früh und schriftlich — nicht erst beim Notartermin.
Sprechen Sie uns gerne an, wenn Sie unsicher sind, wie Sie Nebenräume in der Vermarktung darstellen. Oft steckt in genau diesen Flächen mehr Argument, als Eigentümer selbst vermuten.