Der erste Septembermorgen im Ortenaukreis riecht anders als der letzte im August. Die Luft steht kühler über den Feldern, das Licht kommt flacher über den Schwarzwaldrand, und in den Rinnen liegen die ersten Blätter. Für ein Haus beginnt jetzt die wichtigste Woche des Jahres — nämlich die, in der man einmal aufmerksam um das eigene Gebäude herumgeht.
Warum gerade jetzt
Der September hat einen praktischen Vorteil: Es ist noch warm genug, um draußen zu arbeiten, und schon spät genug, dass die Bäume anfangen abzuwerfen. Wer den Rundgang jetzt macht, hat Zeit, Handwerker zu erreichen, bevor deren Kalender im Oktober voll ist. Das ist der eigentliche Grund für die Eile — die Verfügbarkeit, nicht das Wetter.
Wir sehen bei Objektaufnahmen sehr genau, welche Häuser diesen Rundgang regelmäßig bekommen haben. Man erkennt es an den Details: an trockenen Sockeln, an sauberen Fugen, an Fensterbeschlägen, die noch leicht laufen. Ein gepflegtes Haus erzählt seine Pflege selbst, lange bevor jemand nach Rechnungen fragt.
Draußen: Wasser hat immer Vorfahrt
Der größte Teil aller Winterschäden geht auf Wasser zurück, das seinen Weg sucht. Deshalb steht dieser Punkt zuerst.
- Dachrinnen und Fallrohre räumen, sobald der Hauptlaubfall durch ist. Ein voller Kübel Laub reicht, um Wasser über den Rand an die Fassade zu schicken.
- Dachfläche vom Boden aus prüfen — ein Fernglas genügt. Verrutschte Ziegel, offene Firstbereiche und lose Bleche fallen so früh auf.
- Sockel und Fassade ansehen, besonders auf der Wetterseite. Feine Risse jetzt schließen heißt, sie bleiben fein.
- Außenwasserhähne entleeren und absperren, Gartenschläuche hereinholen. Der Frost findet jeden Rest Wasser in der Leitung.
- Terrasse und Wege abkehren, damit unter feuchtem Laub keine dunklen Beläge entstehen.
Wer ein Haus am Hang bewohnt, in Oberharmersbach etwa oder in einem der Seitentäler, schaut zusätzlich auf die Entwässerung oberhalb des Grundstücks. Rinnen, Gräben und Einläufe leiten bei Starkregen erstaunliche Mengen ab, solange sie frei sind.
Der Garten darf gröber bleiben, als man denkt
Hier hat sich die Empfehlung in den letzten Jahren spürbar gewandelt. Früher galt der besenreine Herbstgarten als Ideal, heute weiß man es besser.
Laub auf Beeten darf liegen bleiben. Es hält den Boden warm, füttert das Bodenleben und ist im Frühjahr zur Hälfte verschwunden. Nur auf dem Rasen, auf Wegen und auf Sitzflächen kommt es weg.
Der letzte Schnitt bleibt hoch — vier bis fünf Zentimeter. Kurz geschorenes Gras geht schwächer in den Winter.
Stauden stehen lassen. Die trockenen Stängel sind Winterquartier für Insekten und geben dem Garten in der kalten Jahreszeit Struktur. Geschnitten wird im März.
Kübelpflanzen einräumen, bevor die erste Frostnacht kommt. Terrakotta und Frost vertragen sich schlecht, auch ohne Pflanze darin.
Drinnen: Wärme dort halten, wo sie hingehört
Die Innenarbeiten sind schnell erledigt und wirken sich sofort auf die Behaglichkeit aus.
Fenster und Türen
Ein Blatt Papier zwischen Rahmen und Flügel einklemmen und das Fenster schließen: Lässt sich das Papier leicht herausziehen, lohnt sich eine neue Dichtung. Das ist Material für wenige Euro und eine halbe Stunde Arbeit. Silikonfugen rund um die Rahmen gehören ebenfalls angesehen — wo sie sich lösen, wandert Feuchtigkeit in die Laibung.
Heizung
Einmal alle Heizkörper anlaufen lassen, bevor man sie braucht. Was gluckert, wird entlüftet. Was kalt bleibt, gehört auf die Liste für den Heizungsbauer — im September bekommt man dafür noch zeitnah einen Termin.
Lüften umstellen
Sobald draußen geheizt wird, wechselt das Lüften vom Dauerkipp zum kurzen Stoßlüften: drei bis fünf Minuten, Fenster ganz auf, mehrmals täglich. Das tauscht die feuchte Luft aus und lässt die Wände warm — die wirksamste Vorsorge gegen Schimmel, die es gibt, und sie kostet nichts.
Was das mit dem Wert zu tun hat
Wer sein Haus in absehbarer Zeit verkaufen möchte, gewinnt durch diese Arbeiten doppelt. Erstens bleibt die Substanz in Ordnung. Zweitens sieht ein Haus im Herbst ohnehin schwieriger aus als im Mai — graues Licht, kahle Beete, früh einsetzende Dämmerung. Ein trockener Sockel, ein aufgeräumter Vorgarten und warme, trockene Räume machen bei einer Besichtigung im November den Unterschied.
Das gilt für ein Reihenhaus in Friesenheim genauso wie für ein Winzerhaus in Durbach. Käufer messen den Zustand an dem, was sie sehen und riechen können — und beides entsteht in diesen Wochen.
Unser Eindruck
Die Liste sieht länger aus, als sie ist. Ein aufmerksamer Rundgang mit Leiter, Handschuhen und Notizzettel dauert einen Samstagvormittag. Was danach übrig bleibt, sind meist zwei oder drei Punkte für den Handwerker — und die Ruhe, im Januar bei Dauerregen an etwas anderes denken zu können.
Wenn Sie ohnehin überlegen, wie Ihr Haus derzeit dasteht, sprechen Sie uns gern an. Wir gehen bei jeder Objektaufnahme genau diesen Rundgang mit und sagen ehrlich, was wirklich zählt.